Warum Dünger für Pferde eine Rolle spielt.

oder auch – was passiert mit unseren Pferden auf der gedüngten Weide?

Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der unsere Bauern ihre Felder und Wiesen düngen. Auch hinter meinem Garten beginnt eine große Wiese, die regelmässig von unserem Bauern mit Gülle und Pferdemist versorgt wird. Es breitet sich „Landluft“ aus, eine Erinnerung an meine Kindheit wird wach und auch Gedanken zum Heu, das aus dieser Wiese mindestens zwei mal jährlich geerntet wird. Meist ist es ja nur Silage oder Heulage, gruselig. Aber das ist ein anderes Thema.

Meine Gedanken schweifen zu den Pferden, die dieses Heu fressen werden.

Dünger auf Wiesen und Äckern

Prinzipiell ist ja nichts gegen Düngung von Wiesen und Ackern einzuwenden – wenn sie das biologische Gleichgewicht des Bodens nicht aus dem Takt bringt. Leider ist dies jedoch, und das wird bereits viel diskutiert, in den letzten Jahren überwiegend der Fall. Kaum ein Bauer, obwohl heutzutage hervorragend auf Landschirtschaftsschulen ausgebildet, macht sich die Mühe, regelmässig die biochemische Beschaffenheit seiner Wiesen und Äcker zu prüfen und entsprechend zu reagieren. So kommt es durch Überdüngung zu erheblichen Problemen in den wasserabführenden Gewässern, worauf in den Niederlanden längst reagiert wurde, und das übermässige Ausbringen von Gülle und Mist reglementiert wurde.

Nun muss der Mist ja aber irgendwo hin und daher sehen wir am Niederrhein oft Güllelaster in Richtung Deutschland fahren, wo man offenbar die Gefahr der Überdüngung noch nicht begriffen hat. So wird hier fleißig weiter überdüngt und neben der Nitratbelastung entstehen viele andere Probleme mit Phosphor und Stickstoffen.

Nitrate in der Pferdefütterung

Betrachten wir mal die Nitratbelastung und Auswirkung auf unsere Pferde.

Von Cicle_del_nitrogen_ca.svg: Johann Dréo (User:Nojhan), traduction de Joanjoc d’après Image:Cycle azote fr.svg.derivative work: Burkhard (talk) – Cicle_del_nitrogen_ca.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=767020

Nitrate sind in der Biosphäre und Hydrosphäre hauptsächlich in Form von Natriumnitrat allgegenwärtig.

Nitrate werden von Pflanzen als Nährstoffe verwertet und können direkt von pflanzlichen Organismen als Stickstoffquelle aufgenommen und verwertet werden. Daher bieten sich Gülle (allg. Wirtschaftsdünger) als auch synthetischer Nitratdünger als kostengünstige Förderung des Pflanzenwachstumgs geradezu an. Diese Wirtschaftsdünger enthalten Stickstoff zum Teil als Nitrat (Calciumnitrat in Blaukorn) und zum Teil als Ammonium­verbindungen (Ammoniumnitrat, Ammoniumphosphat), oft aber auch in Form von organischen Stickstoffverbindungen (Proteine, Amine, Harnstoff). Durch Nitrifikation entsteht im Boden unter Mitwirkung von Bakterien aus Ammoniumionen (NH4+) über die Zwischenstufe Nitrit das Nitrat. Der organisch gebundene Stickstoff kann im Boden mineralisiert werden (Freisetzung von Ammoniumverbindungen und letztlich auch Nitrat) oder in den Bodenhumusvorrat eingehen, aus dem er erst allmählich wieder mineralisiert wird (i. d. R. 1 bis 3 % Mineralisierungsrate pro Jahr). (Danke Wikipedia 😉

Wird also planlos überdüngt, entsteht in den Pflanzen, die als Futter in den Pferdeboxen landen, u.a. ein hoher Nitratgehalt.

Nitrat vergiftet unsere Pferde empfindlich und unbemerkt!

Nitrat ist heimtückisch. Es kann gleich dreifach schädigen:

  1. Magen-Darm-Entzündungen, oft unregelmässig aber immer wiederkehrend
  2. Durchblutungsstörungen und Blutdruckschwankungen
  3. Gestörte Sauerstoffbindung durch chemische Veränderung der Roten Blutkörperchen (Hämoglobinveränderung)

Wird kein Sauerstoff oder nicht ausreichend mehr Sauerstoff in Organe und Muskeln transportiert, entstehen eben genau diese nicht erklärbaren Verdauungsstörungen und Leistungsminderungen, die dann oft wieder in Zusatzfutter und Kraftfutter enden, die wiederum neue Nitrate in den Kreislauf bringen. Spätestens jetzt reagiert mancher Pferdebesitzer in seiner Hilflosigkeit auch mit verstärktem, konsequenterem Training und zusätzlichen Energiegaben. Der Teufelskreis von Koliken, Magengeschwüren, Kotwasser, Widersetzlichkeiten und einer nicht mehr angemessenen Hilfengebung hat begonnen…..

Besteht auf der Pferdeweide gar die Möglichkeit, aus angrenzenden Wasserläufen zu trinken, besteht bei Nitratbelastung sogar die Gefahr der inneren Erstickung! Man nennt das Anomie. Bereits ab einer Belastung von 50mg/Liter Wasser entsteht eine lebensbedrohliche Vergiftung.

Warum verlieren wir so viele Fohlen?

Wer Pferde züchtet, weiß, dass die Samenqualität der Hengste durch Futter oder anderen Zusatzfuttermitteln nicht verbessert werden kann. Die Zahl der Fohlenaborte in Deutschland ist zu dem massiv gestiegen. Nitratvergiftung ist eine der meisten, aber selten gefundenen Ursachen für Fohlenaborte! Aber wer lässt schon ein totes Fohlen obduzieren? Da nach Information des Umweltbundesamtes nur ca. 60 % des Grundwassers in Deutschland 0- 25 mg Nitrat/l enthält und ca. 40 %mit mehr als 25 mg Nitrat/l belastet ist, kann selbst Grundwasser aus Hausbrunnen zum Tränken der Pferde nur nach sorgfältiger Untersuchung genommen werden.

Niedersachsen wird wohl bald mit Mineralwasser tränken müssen.

Was können wir dagegen tun?

Der geneigte Pferdebesitzer als Einsteller im fest organisierten Stall-Leben hat wenig Möglichkeiten, sich dem Thema Nitratvergiftung entgegenzustellen. Das Futterthema in deutschen Stellen ist fast so kontrovers disktuiert wie das Dieselthema in Deutschland.

Dennoch bleibt mein Rat an alle Pferdebesitzer:

  • Kontrolliert Euer Heu! Es lohnt sich, pro Rundballen eine kleine Laborprobe zu entnehmen und – übrigens nicht nur – den Nitratwert bestimmen zu lassen
  • Achtet auf die Quelle des Wassers! Siehe oben – nicht jedes Grundwasser ist überhaupt noch nutzbar.
  • Sprecht mit den Bauern, die Eure Wiesen düngen! Ein Versuch ist es wert.
  • Seid sparsam mit Kraftfutter und dazu gehören auch unzählige Müslis die mit Gesundheit nichts zu tun haben.
  • Füttert nur natürliches Mineralfutter zu! Alle synthetischen Mineralfuttersorten belasten Leber und Niere zusätzlich. Gute Mineralien gibt es von cdVet und Pernaturam.
  • Entlastet 2 mal wöchentlich die Entgiftungsorgane Leber und Niere. Das ist recht einfach – guter Löwenzahnsaft z.B. hilft dabei. Eine kleine, aber feine Ölmühle im Hunsrück stellt einen hervorragenden Löwenzahnsaft her, übrigens nitratunbelastet 😉

In diesem Sinne freut sich mit Euch auf den Frühling und auf jeden Löwenzahnblume:

Eure

Claudia Damrich

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