Warum TENS nicht immer Schmerzen nimmt

Warum TENS nicht immer Schmerzen nimmt

TENS – das bedeutet transkutane elektrische Nervenstimulation

Und damit ist der Großteil der Funktion auch schon benannt.

Transkutan – der Strom läuft direkt unter Haut entlang.
Elektrisch – TENS arbeitet mit Strom
Nervenstimulation – TENS wirkt nur auf Nerven

Warum nun wird TENS als schmerzstillend angewendet?

Da gibt es zum einen den sogenannten GATE-CONTROL-EFFEKT.

Dieser beruht darauf, dass Schmerzreize von Nozizeptoren in Haut, Muskeln, Gelenken und Organen aufgenommen und weitergeleitet werden. Diese Nerven werden in den Hinterhörnern des Rückenmarkskanals weitergeleitet. Da diese Eintrittsstellen sehr eng sind, liegen dort viele Nerven nebeneinander, sowohl die aufsteigenden, als auch die absteigenden Nerven. Der Gaite-Control-Effekt bedeutet, dass, wenn nicht-schmerzhafte Reize wie z.B. Berührung, über dicke Nervenfasern weitergeleitet werden, während Schmerzen über dünne, schnelle Nerven transportiert werden, man nur die dicken Nerven aktivieren braucht, um das TOR in der Hinterpforte zu schließen.

Das macht die TENS-Therapie über sanfte Stromreize, die sensibel schwellig, also gerade wahrnehmbar, erzeugt werden und damit die Pforte schließen.

Leider hält dieser Effekt aber nur solange an, wie der Strom fließt bzw. das Gerät angeschaltet ist!

Was tun, damit die Schmerzen länger gedämpft werden?

Hier kommt der zweite Effekt zu Tragen: die Endorphinausschüttung.

Lässt man den Strom sensibel überschwellig, also nicht nur wahrnehmbar, sondern gerade aushaltbar, fließen, können Serotonine und Noredrenaline gehemmt werden und Endorphine ausgeschüttet werden. Wie auch z.B. direkt nach Knochenbrüchen beobachtbar, kann dadurch nachhaltig Schmerz gelindert werden.

Was bedeutet das in der Anwendung?

Bei Menschen werden TENS Geräte gern und oft verschrieben und angewendet, da sie recht nebenwirkungsfrei erscheinen und Menschen in der Lage sind, auch unangenehme Situationen zu meistern, wenn sie wissen, dass dadurch noch unangenehmere Situationen vermieden werden.

Bei Tieren sieht das anders aus. Obwohl TENS seit Jahrzehnten Bestandteil der physiotherapeutischen Ausbildung an vielen deutschen Schulen ist, wird selten darauf hingewiesen, dass der GATE-CONTROL-EFFEKT nicht nachhaltig wirkt und einen Endorphinausschüttung bei z.B. Fluchttieren wie Pferden recht schwer zu erreichen ist. Das Unfallrisiko bei überschwelligen Anwendungen durch Fluchtverhalten ist uneinschätzbar und steht in keinem Verhältnis zu anderen, schmerzlindernden Therapien. Hunde sind „leidensfähiger“, aber das macht die TENS-Anwendung zum Roulette-Spiel, da die Kommunikationsmöglichkeiten beschränkt sind und nicht eindeutig feststellbar ist, ob die Hunde bei der TENS-Anwendung nun mehr Schmerzen haben als der Schmerz, wogegen sie gerade behandelt werden.

Wann macht TENS-Anwendung bei Tieren denn Sinn?

TENS ist eine Gleichstromform, die Aktionspotentiale auslöst. Nicht mehr und nicht weniger. Damit kann sie, richtig angewendet, Nervenreize stimulieren und Muskulaturkontraktionen bewirken. Liegt KEINE periphäre Lähmung vor, kann sie als Ergänzung der physiotherapeutischen Lähmungsbehandlung verwendet werden. Ebenso lässt sich ein Muskel, der durch Physiotherapie behandelt wird, dadurch anregen, leichter und besser zu kontrahieren. Letztendlich ist auch der GATE-CONTROL-EFFEKT hilfreich, ein sonst nicht erreichbares Arbeitsgebiet zu sedieren, wenn kein Laser vor Ort ist, der dies ebenso und noch besser handhaben könnte.

Wann macht TENS bei Tieren also keinen Sinn?

Meiner Meinung nach sollte immer gut beurteilt werden, ob der durchströmte Bereich heilen muss, wie z.B. OP-Wunden nach Kreuzbandriss-Operationen, oder periphäre Nervenläsionen. Hier ist m.E. eine TENS Anwendung sogar kontraproduktiv! Dadurch, dass TENS mit Gleichstrom arbeitet, werden die durchströmten Zellen polarisiert und in ihrem natürlichen Stoffwechsel behindert. Ein Schütteleffekt wie z.B. bei Mittelfrequenzstromtherapie findet nicht statt!

Zudem macht TENS Therapie auch dann keinen Sinn, wenn zu große Muskelgruppen (Pferd) oder zu lange Nervenstränge damit aktiviert werden sollen, das schaffen die kleinen Geräte mit Batterien oder Akkus alleine aufgrund der elektrischen Leistung nicht.

Absolut sinnfrei sind in meinen Augen sogenannte Nadelelektroden. Wer einmal im Physikunterricht beobachtet hat, wie Blitze aus Metallspitzen austreten können, kann sich den Effekt von Strombündelung auf Metallspitzen wage vorstellen. Ich lehne die Verwendung von Nadelelektroden bei Tier vehement ab. Wer diese Elektroden für TENS-Applikationen am Tier verwendet, fügt dem Tier ohne Not Schmerzen zu, denn Silikonelektroden mit Elektrodengel, richtig angewendet, funktionieren gleich gut.

In diesem Sinne wünscht Ihnen und Ihren Patienten alles Gute und Vernunft bei der Verwendung von TENS-Geräten

Ihre
Claudia Damrich

 

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