Muskeldellen, Kraftlosigkeit, Ataxie – viele Erscheinungsbilder charakterisieren die Polsisaccharid Speicher Myopathie, diverse Muskelkrankheiten mit dieser fehlerhaften Zuckereinlagerung werden unter der Version 2 der PSSM zusammengefasst. Ursache ist tatsächlich jedoch nicht die Zuckereinlagerung, sondern ein Defekt der Muskelstruktur, auch bekannt als Equine Myopathie. Klinisch kann PSSM2 nur durch erfahrene Tierärzte oder Therapeuten, die die typischen Anzeichen erkennen, erahnt werden. Inzwischen gibt es einen Gentest zum Nachweis dieses Defektes.

Durch die Zuchtstrategien der letzten Jahre und Jahrzehnte ist gesichert jedes zweite Pferd mit diesem Gen-Schaden ausgestattet. Dunkelziffer liegt bei 80 % – das glaube ich eher! Kumulationen in den Leistungslinien à la Donnerhall sorgen für enge Zuchtbestände und die Förderung des Defektes. Nicht nur meine Beobachtungen der letzten 25 Jahre sind besorgniserregend ob der Zuchtstrategien der Verbände.

Heute möchte ich jedoch auf ein Kraut hinweisen, das bei PSSM2 Schäden gute Dienste leistet. Denn ist das Kind im Brunnen, hilft ja nunmal nichts als damit umgehen zu lernen.

Melisse – krampflösend, beruhigend, antiviral

Die Melisse gehört zu den Lippenblütlern und stammt aus dem Mittelmeerraum.

Verwendet werden die vor der Blüte gesammelten und getrockneten Blätter. Die Melisse wirkt krampflösend, beruhigend und antiviral.

Geschichte

Große Aufmerksamkeit genießt die Zitronenmelisse seit Jahrhunderten als Heilkraut. Bereits Ärzte in der Antike wussten um die beruhigende, stimmungsaufhellende Heilwirkung der Zitronenmelisse. Populär war die Melisse auch bei Hildegard von Bingen.

Im griechisch-römischen Altertum diente die Melisse außer als Heilpflanze vor allem als Bienenweide. Der griechische Pharmakologe Dioskurides sah in ihr ein gutes Mittel gegen die Stiche von Skorpionen und Spinnen sowie Hundebisse.

Melisse förderte als Sitzbad die Menstruation, als Mundspülung half sie gegen Zahnschmerzen und als Einlauf gegen die Ruhr. Der römische Gelehrte Plinius ergänzte diese Anwendungen um ein Mittel gegen Verdunklung der Augen. Plinius und Dioskurides waren der Meinung, dass Melissenöl offene Wunden ohne Infektion heilen könne.

Anwendungsgebiete von Melisse

  • Lippenbläschen (Herpes simplex-Infektionen der Haut)
  • Schlafstörungen
  • Unruhezustände
  • nervös bedingte und allgemeine Magen-Darmstörungen
  • Angststörungen
  • Schlafstörungen
  • Erschöpfungszustände
  • Nervosität
  • psychisch bedingte Herzbeschwerden
  • Appetitlosigkeit
  • Krämpfen
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Übelkeit in der Schwangerschaft
  • Insektenstiche
  • Menstruationsstörungen

Die Melisse ist auch in der Medizin ein wichtiges Phytotherapeutikum. Die Blätter und Blüten der Pflanzen enthalten vor allem ätherische Öle wie Citral, Geraniol und Nerol sowie einige therapeutisch wirksame Gerbstoffe wie die Rosmarinsäure. Weitere Inhaltsstoffe der Pflanze sind Flavonoide (v.a. Luteolin und Apigenin) sowie Kaffeesäure. Diese Stoffe begründen u.a. die folgenden Wirkungen auf unseren Organismus:

  • Stresslindernd
  • Angstlösend
  • Einschlaffördernd
  • Krampflösend
  • Blähungswidrig
  • Antibakteriell
  • teilweise pilzhemmend
  • teilweise antiviral
  • choleretisch (regt die Produktion von Gallenflüssigkeit an)

Die beruhigende bzw. sedative Wirkung der Zitronenmelisse:

Das getrocknete Kraut kann pur oder in Kombination mit anderen schlaffördernden bzw. sedativen Kräutern wie Baldrian oder Lavendel verwendet werden. Bekannt sind hierbei vor allem die einschlaffördernden Eigenschaften.

Darüber hinaus kann Melisse die Auswirkungen sowie die Intensität von chronischem Stress lindern. Dies wird ermöglicht, da bestimmte Inhaltsstoffe der Pflanze auf den so genannten GABA-Transmitter einwirkt. Diese Neurotransmitter werden vor allem bei chronischem Stress vermehrt ausgeschütttet.

Melisse in klinischer Studie

In einer Doppelblindstudie von Soltanpour et al. (2019) wurden 80 Patienten, die an der koronaren Herzkrankheit erkrankten, mit Melissenextrakten versorgt. Hintergrund der Studie war, zu überprüfen, ob sich die prä- und postoperativen Angstsymptome sowie die Schlafqualität der Patienten mit einem Melissenpräparat verbessern lässt. Das Melissenpräparat bestand aus 500 mg Trockenextrakt, die in jeweils einer Kapsel eingefüllt wurden. Im Ergebnis wurden bei jener Gruppe, die mit Melissenextrakten versorgt waren, eine verringerte Angst sowie eine verbesserte Schlafqualität gegenüber der Placebogruppe festgestellt.

Bekannt ist zudem die zum Teil antivirale Wirkung der Zitronenmelisse. In wissenschaftlichen Studien konnten vor allem die ätherischen Öle der Melisse eine Wirkung gegen Herpes simplex Viren erzielen.

Ebenso probat ist Melissentee in der äußerlichen Anwendung bei Insektenstichen. Dazu wird eine Mullwindel in den Tee getunkt und um die Einstichstelle gewickelt.

Einreibungen mit dem Tee sind ebenfalls wirksam bei Muskelverspannungen, bestehendem Muskelkater oder zur Vorbeugung selbigens.

Ich empfehle natürlich die Melisse von Aurum Siculum, in ihrer Intensität einfach wundervoll.

Aurum Siculum Melisse
Melisse von Aurum Siculum

Was man sonst so tun kann

Tierphysiotherapeuten und Tierheilpraktiker können die bis zum Zerreissen angespannten Muskelfaszien mitunter retten, durch TCM, angewandte physikalische Therapien wie BMS (biomechanische Muskelstimulation), besondere Magnetfeldapplikationen mit Frequenzfeldern (hier wäre z.B. die EQUIMAG Magnetfelddecke optimal), spezielle Massagetechniken, die sie auch Pferdebesitzern weitergeben können, bis hin zur Laserfrequenztherapie nach Vinja Bauer.

Das Thema PSSM wird uns noch viele Jahre begleiten! Lernen wir, damit umzugehen.

Ihre

Claudia Damrich

Nun ist er im schon längst im Gange oder auch schon erledigt – der Anweidezeitraum. Vorbei die Tage des „Handpferdes“, das nur ein paar Gräschen zupfen darf, damit nicht gleich eine Überreaktion auf den hohen Eiweißgehalt des Grases erfolgt. Endlich die Pferde ab auf die Weide lassen und sich an ihrer Freude erfreuen.

Erfreuen? Wirklich? Ja, so war das noch in meinen Kindertagen, als im Frühjahr die Ponies im hohen, bunten, Wiesengras standen, voller Kräuter und Blumen, mit Pusteblumen in der Mähne, schnaubend, lachend, springend vor Freude. Aber es ist nicht mehr wie früher. Wie so vieles nicht, aber was das Gras auf den Wiesen angeht, so finden wir fast nur noch Weidelgras, extrem eiweiß- und zuckerhaltig. Und wenn dann auch noch kalte Nächte und warme Tage in Kombination auftreten, ballen sich die Eiweißmoleküle in genau den Spitzen, die die Pferde am liebsten abkauen. Hier sind es die Fructaneanteile, eine spezielle Zuckerform, die bei Frost im Gras aus Stärke gebildet werden, um sich vor eben jenem Frost zu schützen.

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Es ist der Horror jedes Pferdebesitzers – das geliebte Pferd steht teilnahmslos in der Box, hat Fieber, Kreislauf- und Atemprobleme. Der herbeigerufene Tierarzt hat, wenn man Glück hat, den richtigen Riecher und isoliert sofort. Später treten Lähmungserscheinung auf und das Pferd muss eingeschläfert werden. Pferdeherpes! Wird nicht direkt auf Virusinfektion getestet, kann ein ganzer Stall befallen werden durch Tröpfcheninfektion und mehrere Pferde können sterben.

Nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern vor allem im Freizeitbereich hoch emotionaler Verlust! Ist der Lebenspartner Pferd doch oft genau dieses und bleibt meist ein viertel des eigenen Lebens an der Seite des Menschen. Oder eben nicht – wenn ein Virus namens Equiner Herpes Virus, auch EHV-1 genannt, Einzug gehalten hat.

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Das gesamte Team der PET PHYSIO bedankt sich für Eure Treue und Eure positiven Gedanken in diesem für alle schwierigen Jahr 2020. Uns liegt am Herzen: Bitte bleibt gesund und habt ein besinnliches und friedvolles Weihnachtsfest 2020.

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Entspannte Hunde

Nun beginnen sie wieder – die festlichen Tage. Die Vorbereitungen für das Fest sind in vollem Gange und nicht selten beginnt der Erwartungsdruck zu steigen.

Auch an unseren vierbeinigen Begleitern geht die Advents-, Weihnachts- und Silvesterzeit nicht ganz spurlos vorüber. Denn gerade der veränderte Rhythmis in diesen Tagen, der damit einhergehende Lärm und auch unser eigener Stress, der sich oft auf die Tiere überträgt, sorgt für eine besondere Beanspruchung des tierischen Nervensystems. Die emotionale und körperliche Belastbarkeit muss immer wieder unter Beweis gestellt werden. Das bringt Körper und Geist aus der Ruhe, macht unausgeglichen und kann Nervosität verursachen.

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Pferde verladen

Zufriedene und ausgeglichene Pferde durch bilaterale Stimulation

Stress schadet der Gesundheit

Wir alle kennen z.B. die Problematik, Pferde zu verladen, die einmal negative Erfahrungen, egal welcher Art, beim Verladen in einen Pferdeanhänger gemacht haben. Es kann mitunter Stunden dauern, oder gar nicht gelingen, diese Pferde jemals wieder transportieren zu können. Hinzu kommt, dass selbst dann fraglich ist, ob die anschließende Fahrt entspannt oder unter enormem Stress durchgeführt werden kann.

Dauerhafter Stress beeinflusst Immunsystem, Verdauung und das Wesen von Mensch und Tier. Längere Anspannung kann Magenbeschwerden auslösen oder verschlimmern. Bei Pferden können Magengeschwüre bei einem eineinhalbstündigen Transport aufbrechen! Die moderne Welt konfrontiert uns mit vielen Stressauslösern und oft fehlt die Möglichkeit, Spannungen abzubauen. Negative Emotionen und Verhaltensmuster werden abgespeichert und sind nur mit viel Mühe und Verhaltenstraining wieder aufzubrechen.

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Magengeschwüre beim Pferd

Oft nicht bemerkt, meist davon überrascht, aber dennoch vorhanden – Magengeschwüre bei Pferden. Studien besagen mittlerweile, dass über 90% aller Rennpferde, fast 60% aller Turnierpferde und sogar fast die Hälfte aller Freizeitpferde bereits unter Magengeschwüren leiden! Selbst Fohlen fallen schon darunter.

Der berühmte Pferdemagen

Sollte doch ein besonders widerstandsfähiger Magen ein „Pferdemagen“ sein, so sieht die Realität heute anders aus. Da die natürliche Nahrungsaufnahme bei Pferden bedeutet, kontinuierlich und kleine Mengen in sich hineinzuknabbern, sind Pferdemägen prinzipiell gefüllt, denn er ist im Verhältnis zum gesamten Verdauungstrakt relativ klein. Nur 10% des Verdaungsweges nimmt der Magen ein, daher verbleibt dort das Futter nur relativ kurz. Aufgrund dieser anatomischen Bedinungen wird rund um die Uhr Magensäure produziert.

Dabei werden im quasi zweigeteilten Magen zunächst leicht verdauliche Kohlenhydrate und teilweise auch Eiweißbestandteile zersetzt, im hinteren, drüsenversorgten Magenteil wird der Magensaft gebildet, das Hormon Gastrin zur Produktion von Magensäure und Verdauungssäften hergestellt und die Nahrung aufgespaltet. Der ph-Wert der Nahrung, die durch diesen Teil des Magens läuft, wird je nach Beschaffenheit auf bis unter 3 herabgesetzt. Es ist besonders wichtig, dass der Nahrungsbrei gut durch Magensäure durchsetzt wird, damit diese verbraucht und der Brei gut für den nächsten Vorgang im Dünndarm vorbereitet wird.

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